Warum schwärmen Bienen?

Das Schwärmen gehört zu den beeindruckendsten Erlebnissen, die man als Imker haben kann. Plötzlich ist die Luft erfüllt von Tausenden surrenden Bienen, die in einer dichten Wolke ihren alten Stock verlassen. Für uns Imker bedeutet das zwar oft zusätzliche Arbeit, aber es ist und bleibt ein faszinierendes Naturschauspiel.

Beim Schwärmen verlässt die alte Königin mit etwa der Hälfte der Arbeiterinnen den bisherigen Stock und macht sich auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Das ist die natürliche Art der Bienen, sich zu vermehren – sozusagen die Fortpflanzung auf Volksebene.

Warum tun Bienen das?

Der Vermehrungstrieb
Für Bienen ist das Schwärmen völlig normal und wichtig. Ein starkes, gesundes Volk möchte sich teilen, um die Art zu erhalten und zu verbreiten. In der freien Natur ist das die einzige Möglichkeit, wie neue Bienenvölker entstehen.

Platzmangel im Stock
Wenn im Frühjahr alles wächst und gedeiht, wird es im Stock schnell eng. Die Königin findet kaum noch freie Zellen für ihre Eier, die Waben sind überfüllt, und für Honig und Pollen fehlt der Platz. Dann ist es Zeit, dass ein Teil des Volkes auszieht.

Die Königin wird älter
Mit zunehmendem Alter lässt die Legeleistung der Königin nach. Sie produziert weniger Pheromone – die Duftstoffe, die das Volk zusammenhalten. Das Volk merkt das und bereitet sich darauf vor, eine neue Königin heranzuziehen und sich aufzuteilen.

Das Volk ist einfach zu groß geworden
Im Mai und Juni kann ein Volk explosionsartig auf 40.000 bis 60.000 Bienen anwachsen. Bei dieser Größe wird die Organisation schwierig. Das Schwärmen ist dann eine natürliche Reaktion – zwei kleinere Völker lassen sich einfacher managen als ein riesiges.

Manche Bienen schwärmen mehr als andere
Es gibt Bienenrassen, die einen stärkeren Schwarmtrieb haben als andere. Unsere einheimischen Landrassen schwärmen beispielsweise häufiger als die gezüchteten Buckfast-Bienen.

Das Wetter spielt mit
Warmes, sonniges Wetter im Frühjahr fördert die Schwarmstimmung. Die Bienen spüren instinktiv, dass jetzt gute Bedingungen herrschen, um ein neues Volk zu gründen.

Wann passiert das?

Die Hauptschwarmzeit liegt bei uns zwischen Mai und Juni. In besonders warmen Regionen kann es schon im April losgehen, Nachschwärme sind manchmal noch bis Juli oder August möglich. Im Herbst und Winter schwärmen Bienen nicht.

Meistens schwärmen die Bienen zwischen 10 und 14 Uhr mittags, wenn es warm und sonnig ist – ab etwa 20°C. Bei Regen oder Wind bleiben sie im Stock. Die Vorbereitung beginnt aber schon 2 bis 3 Wochen vorher, wenn das Volk anfängt, Weiselzellen anzulegen.

Wie läuft das Schwärmen ab?

Vorbereitung (1-3 Wochen vorher)
Das Volk legt mehrere Weiselzellen an – meist zwischen 5 und 20 Stück. Die Königin legt befruchtete Eier hinein, und die Larven werden ausschließlich mit Gelée Royale gefüttert. Die alte Königin wird weniger gefüttert, damit sie leichter wird und fliegen kann.

Der Schwarmtag
Wenn die ersten Königinnenzellen kurz vor dem Schlüpfen stehen, ist es soweit. Die Bienen füllen ihre Honigmägen – sie nehmen quasi Proviant mit für die ersten Tage. Dann gibt es plötzlich eine große Unruhe im Stock, und innerhalb weniger Minuten stürmen Tausende Bienen nach draußen. Die alte Königin ist mittendrin.

Die Schwarmtraube
Nach ein paar Minuten wilden Flugs sammelt sich der Schwarm in der Nähe – oft an einem Ast, manchmal an einem Zaun oder einer Laterne. Dort bilden die Bienen eine dichte Traube um die Königin. Das sieht spektakulär aus, ist aber völlig friedlich. Die Bienen haben keinen Stock zu verteidigen und sind in dieser Phase sehr sanftmütig.

Jetzt werden Spurbienen ausgesandt. Diese suchen nach einer geeigneten Behausung – eine Baumhöhle, ein Hohlraum in einer Mauer oder vielleicht eine leere Beute. Wenn eine Spurbiene etwas Gutes gefunden hat, kommt sie zurück und „tanzt“ den anderen vor, wo sich der Platz befindet. Verschiedene Spurbienen präsentieren verschiedene Standorte. Die Mehrheit entscheidet, welcher Ort der beste ist. Sobald ein Konsens erreicht ist, fliegt der gesamte Schwarm zum neuen Zuhause.

Einzug ins neue Heim
Im neuen Zuhause wird sofort mit dem Wabenbau begonnen. Die Königin beginnt mit der Eiablage, und das neue Volk etabliert sich.

Was passiert im alten Stock?
Dort schlüpft etwa 8 bis 10 Tage nach dem Schwarm die erste neue Königin. Meist tötet sie ihre noch in den Zellen befindlichen Rivalinnen. Manchmal folgen aber auch Nachschwärme mit weiteren jungen Königinnen. Die neue Königin absolviert ihren Hochzeitsflug, und das Altvolk regeneriert sich.

Nachschwärme

Wenn das zurückgebliebene Volk immer noch sehr stark ist, können Nachschwärme folgen. Diese sind kleiner – nur etwa 5.000 bis 10.000 Bienen – und ziehen mit einer jungen, noch unbegatteten Königin aus. Oft schwärmen mehrere Nachschwärme hintereinander, was das Muttervolk allerdings erheblich schwächt.

Kann man sich einem Schwarm nähern?

Ja, ein hängender Schwarm ist normalerweise sehr friedlich. Die Bienen haben keinen Stock und keine Brut zu verteidigen und sind deshalb nicht aggressiv. Trotzdem sollte man vorsichtig sein und sie nicht provozieren. Als Imker versuche ich natürlich, jeden Schwarm einzufangen. Am besten funktioniert das abends, wenn alle Bienen bei der Königin sind. Der Schwarm wird dann in eine Kiste oder Beute geschüttelt oder gekehrt und in eine vorbereitete Behausung eingeschlagen.

Warum ist Schwärmen wichtig?

In der Natur ist das Schwärmen überlebenswichtig. Es ist die einzige Möglichkeit für Bienenvölker, sich zu vermehren. Dadurch werden neue Lebensräume besiedelt, es findet genetischer Austausch zwischen Populationen statt, und die Völker erneuern sich. Schwache Schwärme überleben nicht – das ist natürliche Selektion.

Was tun, wenn man einen Schwarm entdeckt?

Ruhe bewahren
Der Schwarm ist friedlich. Haltet einfach 2 bis 3 Meter Abstand, macht keine hektischen Bewegungen, und alles ist gut.

Einen Imker informieren
Ruft mich gerne an oder wendet euch an den örtlichen Imkerverein.

Nicht selbst eingreifen
Bitte kein Wasser spritzen, nicht mit Gegenständen auf den Schwarm schlagen und auf keinen Fall Insektizide verwenden. Oft zieht der Schwarm nach 1 bis 3 Tagen von selbst weiter.

Den Schwarm nicht töten
Bienen sind wichtige Bestäuber, und wir Imker freuen uns über jeden Schwarm, den wir aufnehmen können.

Ein paar interessante Fakten zum Schluss

  • Ein Schwarm kann bis zu 3 Kilogramm wiegen.
  • Die Bienen können etwa 3 Tage ohne Nahrung überleben, weil sie Honig aus dem alten Stock mitgenommen haben.
  • Spurbienen tanzen verschiedene Standorte vor, und die Mehrheit entscheidet demokratisch.
  • Ein Schwarm fliegt selten weiter als 1 bis 3 Kilometer vom alten Stock.
  • Die Schwarmtraube hält eine konstante Temperatur von etwa 35°C.
  • Königinnen können im Schwarm mehrere Tage überleben.

Das Schwärmen ist und bleibt eines der faszinierendsten Erlebnisse in der Imkerei – ein Stück ursprüngliche Natur, das uns daran erinnert, dass Bienen seit Jahrmillionen genau wissen, was sie tun.

Barrierefreiheit

Nach oben scrollen