Ich bin Insektenbotschafter, weil ich nicht tatenlos zusehen kann, wie eine unsichtbare Katastrophe unsere Welt verändert. Das Insektensterben ist real, es ist massiv – und die meisten Menschen bemerken es nicht einmal.
Meine Motivation
Ich habe gesehen, was verloren geht. Als Kind waren Sommer voller Leben: Schmetterlinge auf jeder Wiese, summende Hummeln im Lavendel, Glühwürmchen in lauen Nächten. Heute herrscht vielerorts eine unheimliche Stille. Die Windschutzscheibe bleibt sauber, wo sie früher nach jeder Fahrt voller Insekten war. Das ist kein Zufall – das ist ein Alarmsignal.
Ich sehe die Fakten: 75 % weniger Insektenbiomasse in nur 30 Jahren. Arten verschwinden, bevor wir sie überhaupt kennen. Und mit ihnen verschwinden Vögel, Igel, Fledermäuse – und letztlich unsere eigene Lebensgrundlage.
Ich verstehe die Zusammenhänge: Ohne Bienen keine Äpfel. Ohne Schwebfliegen keine natürliche Schädlingskontrolle. Ohne Käfer kein funktionierender Nährstoffkreislauf. Insekten sind keine Dekoration der Natur – sie sind ihr Fundament.
Was mich antreibt
Ich will nicht in einer stummen Welt leben. Einer Welt ohne Vogelgesang, ohne flatternde Schmetterlinge, ohne das Summen einer Sommerwiese. Einer Welt, in der Kinder „Biene“ und „Glühwürmchen“ nur noch aus Büchern kennen.
Ich will nicht, dass meine Kinder mich eines Tages fragen: „Warum habt ihr nichts getan, als ihr noch konntet?“
Ich glaube an Veränderung. Jeder Garten, der insektenfreundlich wird, zählt. Jeder Mensch, der versteht, dass Wespen nützlich sind, zählt. Jede politische Entscheidung für weniger Pestizide zählt. Wenn genug Menschen aufwachen, können wir das Ruder noch herumreißen.
Was ich als Insektenbotschafter tue
Ich kläre auf – über die faszinierende Welt der Insekten, ihre unverzichtbaren Leistungen und ihre Bedrohung. Ich zeige, dass Hornissen friedlich sind, dass Wildbienen nicht stechen, dass Schwebfliegen keine Wespen sind.
Ich räume mit Vorurteilen auf – denn Angst und Unwissenheit sind die größten Feinde des Insektenschutzes.
Ich zeige Lösungen – wie jeder in seinem Garten, auf seinem Balkon oder in seinem Alltag zum Insektenschutz beitragen kann. Es ist einfacher, als die meisten denken.
Ich gebe den Stimmlosen eine Stimme – denn Insekten können nicht für sich selbst sprechen. Aber ich kann es. Und ich tue es, weil es getan werden muss.
Meine Botschaft
Insekten sind keine Plagegeister – sie sind Lebensretter. Ohne sie gibt es keine Zukunft. Keine funktionierende Landwirtschaft, keine gesunden Ökosysteme, keine lebenswerte Welt.
Jeder kann etwas tun. Einen wilden Gartenbereich anlegen. Heimische Blumen pflanzen. Auf Pestizide verzichten. Anderen davon erzählen. Es sind die vielen kleinen Schritte, die zusammen Großes bewirken.
Es ist noch nicht zu spät. Insekten vermehren sich schnell. Mit den richtigen Maßnahmen können sich Populationen erholen. Aber wir müssen jetzt handeln – nicht morgen, nicht nächstes Jahr. Jetzt.
Warum gerade ich?
Weil ich nicht wegschauen kann. Weil ich die Schönheit und Bedeutung dieser kleinen Wesen kenne. Weil ich glaube, dass Wissen der erste Schritt zur Veränderung ist. Und weil ich Hoffnung habe – Hoffnung, dass wir Menschen klug genug sind, unsere eigenen Lebensgrundlagen zu schützen.
Ich bin Insektenbotschafter, weil diese Welt es wert ist, gerettet zu werden.
Und weil ich meinen Teil dazu beitragen will, dass die nächste Generation eine lebendige, summende, singende Welt erleben darf – so wie ich es durfte.
Norbert Gerth
Insektenbotschafter im Projekt Biene und NUA NRW Fortgebildet, Bielefeld
