Honig – das flüssige Gold aus dem Bienenstock
Honig gehört zu den ältesten Lebensmitteln der Menschheit. Schon vor Jahrtausenden haben unsere Vorfahren wilde Bienenvölker gesucht und ihre Waben geplündert. Heute wissen wir viel mehr über dieses faszinierende Naturprodukt – aber es hat nichts von seiner Faszination verloren.
Was ist Honig eigentlich?
Honig ist dickflüssig bis fest, goldgelb bis dunkelbraun und schmeckt süß – so weit, so klar. Aber was genau steckt dahinter?
Bienen stellen Honig aus Blütennektar oder Honigtau her, lagern ihn in Waben und lassen ihn dort reifen. Für die Bienen selbst ist er Nahrungsvorrat für den Winter und für Zeiten, in denen nichts blüht.
Honig besteht hauptsächlich aus Zucker (etwa 75-80 Prozent) und Wasser (15-20 Prozent). Dazu kommen Enzyme, Aminosäuren, Mineralstoffe, Vitamine, Pollen und jede Menge Aromastoffe. Diese komplexe Mischung macht ihn zu etwas Besonderem, das sich nicht künstlich herstellen lässt. Jeder Honig schmeckt anders, je nachdem wo und wann die Bienen unterwegs waren.
Wie entsteht Honig? Ein Blick hinter die Kulissen
Die Honigproduktion ist Teamarbeit. Das ganze Volk ist beteiligt, und jede Biene hat ihre Aufgabe.
Sammeln und Umwandeln
Zuerst fliegen die Sammelbienen los zu den Blüten. Dort saugen sie mit ihrem Rüssel Nektar auf und sammeln ihn in der sogenannten Honigblase – einem speziellen Vormagen. Schon auf dem Rückflug beginnt die Umwandlung: Enzyme aus den Speicheldrüsen spalten den Rohrzucker aus dem Nektar in einfachere Zuckerarten auf.
Zurück im Stock gibt die Sammlerin den Nektar an eine Stockbiene weiter. Die nimmt ihn auf, fügt weitere Enzyme hinzu und reicht ihn an die nächste Biene. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrfach. Jedes Mal wird mehr Wasser verdunstet und der Nektar konzentrierter.
Trocknen und Reifen
Der noch unreife Honig kommt in die Wabenzellen. Jetzt wird es ernst: Tausende Bienen fächeln gleichzeitig mit den Flügeln und sorgen für einen regelrechten Luftstrom. Dadurch sinkt der Wassergehalt von ursprünglich etwa 70 Prozent im Nektar auf unter 18 Prozent im fertigen Honig. Gleichzeitig arbeiten die Enzyme weiter und verwandeln den Zucker.
Verdeckeln – das natürliche Gütesiegel
Wenn der Honig reif ist und wenig genug Wasser enthält, verschließen die Bienen die Zellen mit einem Wachsdeckel. Für uns Imker ist das das Zeichen: Der Honig ist erntereif.
Die Arbeitsleistung dahinter ist enorm: Für ein Kilo Honig müssen Bienen etwa 3 bis 5 Millionen Blüten besuchen und dabei bis zu 120.000 Kilometer zurücklegen – das ist dreimal um die Erde!
Die Vielfalt der Honigsorten
Honig ist nicht gleich Honig. Je nachdem, was gerade blüht und wo die Bienen unterwegs sind, entstehen völlig unterschiedliche Sorten.
Die klassischen Blütenhonige
Rapshonig ist bei uns eine der häufigsten Sorten. Er ist fast weiß bis hellgelb, schmeckt sehr mild und wird schnell fest. Die cremige Konsistenz macht ihn zum perfekten Brotaufstrich.
Lindenhonig hat ein intensives, leicht mentholiges Aroma und eine hellgelbe bis grünliche Farbe. Viele schwören bei Erkältungen darauf. Der Geschmack ist unverwechselbar.
Obstblütenhonig kommt von Kirsch-, Apfel-, Birn- und Pflaumenbäumen. Er ist hellgelb, mild-fruchtig und kristallisiert relativ zügig.
Sonnenblumenhonig leuchtet goldgelb, schmeckt fruchtig mit einer leichten Säure und wird sehr schnell fest. In Regionen mit viel Sonnenblumenanbau ist er häufig zu finden.
Waldhonig (leider nicht in Dornberg verfügbar) Wenn die Bienen keinen Nektar sammeln, sondern Honigtau von Nadelbäumen, entsteht Waldhonig. Der ist dunkelbraun bis fast schwarz, bleibt meist flüssig und hat ein kräftiges, würziges Aroma. Er kristallisiert nur sehr langsam oder gar nicht.
Akazienhonig und Robinienhonig (leider nicht in Dornberg verfügbar) ist extrem hell, fast durchsichtig, und bleibt sehr lange flüssig. Sein Geschmack ist mild und lieblich.
Edelkastanienhonig (leider nicht in Dornberg verfügbar) ist dunkel und herb mit einer leicht bitteren Note. Nicht jedermanns Sache, aber wer ihn mag, liebt ihn.
Heidehonig (leider nicht in Dornberg verfügbar) aus der Lüneburger Heide ist eine Besonderheit: geleeartiger Konsistenz, würzig-herb im Geschmack und reich an Eiweißen. Er lässt sich kaum schleudern und wird oft gepresst.
Ist Honig gesund?
Honig enthält tatsächlich viele wertvolle Inhaltsstoffe: Enzyme, Antioxidantien, Aminosäuren, Spurenelemente. Er wirkt leicht antibakteriell und entzündungshemmend. Bei Halsschmerzen und Husten kann er tatsächlich helfen.
Aber seien wir ehrlich:
Honig ist und bleibt ein zuckerhaltiges Lebensmittel mit etwa 300 Kalorien pro 100 Gramm – ähnlich wie normaler Zucker. Er kann Karies verursachen und lässt den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. Honig ist gesünder als raffinierter Zucker, ja, aber kein Wundermittel. Genießen Sie ihn in Maßen.
Wichtig: Lebensgefahr für Säuglinge!
Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Für Babys unter 12 Monaten kann das lebensgefährlich sein. Für ältere Kinder und Erwachsene ist es unbedenklich, aber bitte keinen Honig an Säuglinge geben.
Honig in der Küche
Honig ist vielseitig: als Brotaufstrich, zum Süßen von Tee (am besten erst unter 40 Grad zugeben, damit die Enzyme erhalten bleiben), in Backwaren, Salatdressings, Marinaden oder zum Glasieren von Fleisch.
Beim Backen hält er Kuchen länger frisch und saftig. Er ist süßer als Haushaltszucker, daher brauchen Sie etwa 20 Prozent weniger. Da Honig Wasser enthält, sollten Sie bei Rezepten die Flüssigkeitsmenge etwas reduzieren. Honig karamellisiert schneller als Zucker, also die Backtemperatur leicht runterstellen.
Richtige Lagerung
Honig ist bei richtiger Lagerung praktisch unbegrenzt haltbar. Archäologen haben in ägyptischen Pyramiden über 3000 Jahre alten Honig gefunden – noch genießbar!
So lagern Sie Honig richtig:
- Kühl, aber nicht im Kühlschrank
- Dunkel
- Trocken
- Luftdicht verschlossen
- Nicht in Metallbehältern
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine gesetzliche Vorgabe. Richtig gelagerter Honig hält sich deutlich länger.
Qualität und Herkunft
In Deutschland haben wir mit der Deutschen Honigverordnung strenge Qualitätsstandards. Der Wassergehalt darf maximal 20 Prozent betragen (meist liegt er unter 18 Prozent), es dürfen keine Zusätze rein, und die wertvollen Enzyme müssen erhalten bleiben.
Regionaler Honig vom Imker hat meist eine bessere Qualität als Massenware aus dem Supermarkt. Außerdem wissen Sie genau, wo er herkommt, und unterstützen die heimische Imkerei.
Honig und Umwelt
Honigproduktion ist nachhaltig: Bienen verbrauchen keine Ressourcen, die nicht nachwachsen. Im Gegenteil – während sie Honig produzieren, bestäuben sie Millionen von Blüten und tragen zur Biodiversität und zu besseren Ernteerträgen bei. Ein Bienenvolk leistet nebenbei Bestäubungsarbeit im Wert von mehreren tausend Euro pro Jahr.
Honig ist also nicht nur lecker, sondern auch ein kleiner Beitrag zur Erhaltung unserer Natur.
