Honig – Mehr als nur süßer Brotaufstrich

Manchmal stehe ich am Bienenstand und frage mich, ob die Leute eigentlich wissen, was sie da morgens aufs Brötchen schmieren. Klar, jeder kennt Honig, aber ehrlich: Die wenigsten denken darüber nach, wie viel Arbeit, Zeit und – ja, auch ein bisschen Glück – in so einem Glas steckt. Dabei ist Honig für mich viel mehr als nur ein süßer Brotaufstrich. Es ist ein Stück Sommer, ein bisschen Abenteuer und manchmal auch einfach nur eine klebrige Sauerei.

Die Entstehung: Wenn Bienen und Wetter verrückt spielen

Fangen wir mal vorne an. Viele stellen sich das Bienenleben irgendwie romantisch vor: Blümchen, Sonnenschein, summende Bienen. Die Realität? Es gibt Wochen, da ist das Wetter eine Katastrophe. Regen, Wind, Kälte – die Bienen bleiben im Stock, die Tracht bleibt aus. Dann steht man da, schaut in den Himmel und weiß: Dieses Jahr wird’s wohl nichts mit dem „Honigrekord“. Ich habe gelernt, mich davon nicht verrückt machen zu lassen. Mal läuft’s gut, mal gibt’s eben nur wenig. So ist Natur.

Wenn dann aber endlich die Obstbäume blühen und das ganze Volk unterwegs ist, beginnt das große Sammeln. Ich könnte stundenlang zugucken, wie die Sammlerinnen heimkehren, schwer beladen, mit dicken Pollenhöschen. Wer einmal neben einem Bienenstock gesessen hat, weiß, wie meditativ dieses Summen sein kann. Da spürt man: Hier entsteht gerade etwas Besonderes.

Was Honig eigentlich ist

Und dann fragen Leute oft: „Was ist eigentlich drin im Honig?“ Die ehrliche Antwort? Fast alles, was die Bienen finden und für gut befinden: Nektar aus Blüten, manchmal Honigtau von Blattläusen, dazu winzige Mengen Pollen, Enzyme, Vitamine, Mineralstoffe. Es ist ein richtiges Naturprodukt – und jedes Glas schmeckt anders. Ich kenne Menschen, die schwören auf Frühlingshonig, weil der so zart und mild ist. Andere mögen’s lieber kräftig – Sommertracht, Waldhonig, das volle Aroma. Ich selbst kann mich nie entscheiden. Manchmal nasche ich direkt aus der Wabe, mit den Fingern, ein bisschen wie ein Kind.

Schleudern, sieben, abfüllen – klingt einfach, ist aber eine Kunst

Das erste Mal Honig schleudern – ich sag’s ehrlich – war ein ziemliches Chaos. Überall klebte es, die Schleuder war schwerer als gedacht, und ich hatte das Sieb vergessen. Heute läuft das etwas geordneter ab, aber ein bisschen Sauerei gehört immer noch dazu. Ich mag das: Die Hände sind voll Honig, alles duftet, und am Ende stehen diese Eimer da, gefüllt mit goldgelbem, warmem Honig. Jedes Mal habe ich Respekt davor, was die Bienen da geleistet haben. Manchmal schleicht sich auch ein bisschen Stolz ein. Ist so.

Das Sieben ist wichtig, aber ich halte nichts davon, Honig „totzufiltern“. Ein paar Pollenreste dürfen ruhig drinbleiben. Sie machen den Charakter aus, finde ich. Es gibt Kollegen, die filtern, bis nur noch Zuckerwasser übrig ist – das ist nicht mein Ding. Ich will, dass man den Sommer schmeckt.

Honig im Alltag – mehr als nur Zuckerersatz

Honig ist natürlich süß. Aber für mich ist er kein bloßer Zuckerersatz. Ein Löffel Honig in Tee – ja, das ist Klassiker. Aber ich nehme ihn auch gern mal pur, gegen Kratzen im Hals oder einfach, wenn ich Lust auf was Süßes habe. Und ja, ich weiß: Honig ist kein Wundermittel. Er heilt keine Wunder, er macht nicht schlank, er ist einfach Honig. Aber wenn Kinder mit einer dicken Erkältung zu mir kommen, gebe ich ihnen lieber einen Löffel Honig als irgendein künstliches Zeug. Der Geschmack erinnert mich an meine Kindheit – Oma hatte immer ein Glas im Schrank.

Und apropos: Honig ist nie gleich. Im Sommer manchmal flüssig, im Winter kristallisiert er – das ist kein Fehler, sondern ganz normal. Manche Kunden fragen mich dann, ob der „kaputt“ sei. Ich erkläre: „Im Gegenteil! Das zeigt, dass der Honig echt ist.“ Wer flüssigen Honig will, kann ihn ganz vorsichtig im Wasserbad erwärmen. Aber nie zu heiß, sonst gehen die guten Sachen verloren. (Das habe ich auch erst nach ein paar eigenen Fehlern gelernt.)

Lieblingssorten, Streitfragen und kleine Anekdoten

Ich werde oft gefragt, was mein Lieblingshonig ist. Ehrlich? Kommt auf die Laune an. An manchen Tagen ein Löffel Sommertracht direkt aus dem Glas, manchmal auch Frühlingshonig aufs Brot. Einmal hatte ich einen Glasbruch auf dem Markt – der Honig lief über den Tisch, alles war eine einzige Sauerei. Die Kunden fanden’s witzig, ich war erstmal bedient. Am Ende haben wir zusammen geputzt und dabei Honig genascht. So läuft das manchmal.

Was mich manchmal nervt: Die ewige Diskussion, ob Honig vegan ist. Meine Meinung: Klar, die Bienen leisten Arbeit, und ja, der Imker nimmt ihnen etwas weg. Aber wenn man sorgsam imkert, bleibt den Bienen immer genug. Ich sage immer: Lieber echten, lokalen Honig als Billigware aus dem Ausland, bei der keiner weiß, wie es den Bienen geht.

Fazit: Honig ist Handwerk, Abenteuer und ein bisschen Glück

Für mich bleibt Honig jedes Jahr aufs Neue ein Abenteuer. Man weiß nie, wie die Saison läuft. Mal ist das Glas fast zu schade zum Essen, mal gibt’s Eimer voll. Aber immer ist es das Ergebnis von Teamwork – zwischen Bienen, Natur und ein bisschen auch dem Imker.

Wer einmal echten Honig direkt aus der Wabe probiert hat, versteht, warum es sich lohnt. Es ist nicht nur Geschmack, sondern ein Stück Heimat, ein bisschen Kindheitserinnerung und immer auch ein kleiner Moment zum Innehalten.

Barrierefreiheit

Nach oben scrollen