Die Sächsische Wespe – stiller Gast im Garten

Wenn ich an die Sächsische Wespe denke, habe ich sofort das Bild einer vergleichsweise friedlichen, unaufdringlichen Wespenart vor Augen, die man im Sommer zwar sieht, aber selten wirklich bemerkt. Nicht selten taucht sie irgendwo am Gartentisch auf – meist deutlich weniger aufdringlich als ihre Verwandten, die Gemeine oder Deutsche Wespe. Eigentlich ist das schon ihre größte Besonderheit: Sie fällt kaum auf, lebt ein eher zurückhaltendes Dasein und zieht das Rampenlicht gar nicht erst an.

Die Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica) ist vor allem an ihrer schlanken Gestalt zu erkennen. Während viele Wespenarten wuchtig oder fast schon plump wirken, macht sie einen fast eleganten Eindruck. Das mag an der schmaleren Taille liegen oder am etwas längeren Kopf, der bei näherem Hinsehen ein bisschen wie eine Mütze gezeichnet ist. Charakteristisch sind die hellgelben Wangenflecken, die an den Seiten fast mondförmig wirken. Die Färbung ist insgesamt eher blassgelb, nicht so stechend grell wie bei den notorisch lästigen Arten.

Spannend wird es, wenn man weiß, wie diese Wespen ihre Nester bauen. Während die klassischen „Kuchenwespen“ oft unterirdisch oder in dunklen Hohlräumen nisten, setzt die Sächsische Wespe auf luftige Plätze. Ich habe schon etliche ihrer Nester an Dachüberständen, in Holzhütten oder sogar in verlassenen Vogelkästen entdeckt. Besonders auffällig ist der Bau selbst: Das Nest sieht aus wie ein kleiner, grauer Pappturm, der manchmal bizarr zerfranst wirkt – als hätte jemand alte Zeitungspapierlagen kunstvoll zusammengedreht und aufgehängt. Wenn das Nest frisch gebaut ist, glänzt die Hülle manchmal fast silbrig. Mit der Zeit wird sie stumpfer, bekommt aber auch diesen typischen, papierartigen Charme, der an filigrane Architektur erinnert.

In Sachen Lebensweise ist die Sächsische Wespe ein echter Teamplayer, aber kein Radaubruder. Die Völker werden selten riesig, meist leben nur wenige Hundert Tiere zusammen. Das ist auch der Grund, warum sie Menschen kaum belästigen: Es fehlen einfach die großen, hungrigen Arbeitertruppen, die im Spätsommer auf der Suche nach Süßem jeden Apfelkuchen belagern. Tatsächlich ernähren sich die Sächsischen Wespen in erster Linie von Insekten, manchmal sieht man sie dabei, wie sie Fliegen jagen oder kleine Raupen abtransportieren – ein ganz nützlicher Dienst im Garten übrigens.

Auffällig ist, dass die Sächsische Wespe eigentlich wenig aggressiv ist. Ich habe es selbst schon oft erlebt: Selbst bei der Arbeit direkt am Nest bleiben die Tiere meist gelassen. Klar, wenn man mit dem Stock in die Behausung piekt, wird auch diese Wespe ihr Zuhause verteidigen. Aber ein gezielter Angriff auf den Menschen? Kommt eigentlich so gut wie nie vor. Gerade deshalb raten Fachleute dazu, Nester dieser Art möglichst in Ruhe zu lassen – sie verursachen in der Regel keine Probleme und lösen sich im Herbst sowieso von selbst auf.

Was die Verwechslung mit anderen Arten angeht, ist ein genauer Blick entscheidend: Die Sächsische Wespe wird gerne mit der Mittleren Wespe oder der Deutschen Wespe verwechselt. Wer es ganz genau wissen will, sollte auf die Kopfform und die Wangenzeichnung achten. Auch das Nest verrät viel: Hängt es frei und sieht aus wie ein Papierball, ist die Chance groß, dass hier Dolichovespula saxonica wohnt.

Abschließend lässt sich sagen: Die Sächsische Wespe ist ein Paradebeispiel für eine friedliche Koexistenz. Sie braucht weder Panik noch Vernichtungsdrang, sondern einfach ein bisschen Toleranz. Wer ihr einen Platz im Garten gönnt, wird vielleicht sogar mit weniger Fliegen belohnt – und mit dem guten Gefühl, dass Wildnis und Zivilisation auch mal harmonisch zusammengehen können.

Praxistipps im Umgang mit der Sächsischen Wespe

1. Ruhe bewahren

Sächsische Wespen sind deutlich weniger aufdringlich als andere Arten. Hektische Bewegungen, wildes Wedeln oder lautes Klatschen provozieren sie meist gar nicht. Einfach ruhig bleiben – dann bleiben sie auch gelassen.

2. Nester beobachten, nicht gleich entfernen

Findest du ein Nest am Haus oder im Schuppen, heißt das noch nicht, dass Gefahr besteht. Die Tiere interessieren sich selten für Menschen und fliegen ihre Bahnen, ohne jemanden zu belästigen. Nester am besten einfach hängen lassen – spätestens im Herbst ist das Thema erledigt, denn dann stirbt das Volk ab.

3. Abstand halten, aber nicht in Panik verfallen

Direkt vor dem Nesteingang sollte man keine langen Aufenthalte einlegen oder Gegenstände lagern. Kurzer Abstand reicht schon, um Ärger zu vermeiden. Wer neugierig ist, kann mit etwas Abstand sogar beim Nestbau zuschauen.

4. Kein Essen offen herumstehen lassen

Auch wenn Sächsische Wespen selten am Kaffeetisch auftauchen – ein Stück Kuchen oder zuckrige Limonade zieht im Spätsommer doch mal Einzelne an. Essen und Getränke einfach abdecken, dann bleibt der Besuch selten und kurz.

5. Fenster und Türen sichern

Fliegengitter sind die einfachste und umweltfreundlichste Methode, um einzelne Wespen draußen zu halten. Nester an der Hauswand? Keine Panik – sie kommen nur selten ins Haus.

6. Nester in sensiblen Bereichen? Fachleute holen

Wenn ein Nest wirklich stört – etwa direkt am Fenster, Balkon oder bei Allergikern – sollte immer ein Wespenberater oder eine Schädlingsbekämpfung (möglichst naturnah arbeitend) eingeschaltet werden. Niemals selbst entfernen! Die Umsiedlung ist bei Sächsischen Wespen meist unkompliziert möglich.

7. Verwechslung vermeiden

Wer sicher gehen will, dass es wirklich die Sächsische Wespe ist: Auf das Nest achten (hängt meist sichtbar und frei, sieht wie aus Papier gemacht aus), auf die Kopfform und auf die ruhigere Art der Tiere.

8. Nutzen erkennen

Nicht vergessen: Sächsische Wespen sind nützliche Jäger, die Schädlinge wie Fliegen, Raupen oder Blattläuse im Garten in Schach halten. Sie tun oft mehr Gutes, als viele glauben.

Quellen:

Eigene Erfahrungen und Feldbeobachtungen

Heiko Bellmann: „Wespen, Hornissen, Ameisen“ (Kosmos Verlag, 2010)

NABU.de: Steckbrief Sächsische Wespe

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