Die Europäische Hornisse – mächtige Wächterin unserer Kulturlandschaft

Wer im Spätsommer durch Streuobstwiesen schlendert oder an alten Schuppen vorbeigeht, begegnet ihr manchmal mit mulmigem Gefühl: der Europäischen Hornisse, wissenschaftlich Vespa crabro. Mit bis zu 4 Zentimetern Länge überragt sie alle anderen heimischen Wespenarten. Ihr tiefes Brummen ist unverwechselbar, die Erscheinung respekteinflößend – und doch wird kaum ein Insekt so grundlos gefürchtet.

Wer sich einmal die Zeit nimmt, das Verhalten einer Hornisse genauer zu beobachten, entdeckt schnell: Die meisten Vorurteile sind schlicht falsch. Vespa crabro ist weder aggressiv noch grundlos gefährlich. Im Gegenteil – sie ist ein beeindruckendes, friedfertiges und überaus nützliches Tier, das in unseren Gärten und Wäldern eine wichtige Rolle spielt.

Aussehen und Lebensweise

Hornissen erkennt man schon von weitem: Ihr rötlich-brauner Kopf, das gelbe Gesicht und der auffällige Hinterleib mit seinen schwarz-gelben Zeichnungen heben sie klar von anderen Wespenarten ab. Die Königin verlässt im Frühjahr ihr Winterquartier und gründet einen neuen Staat – oft in Baumhöhlen, gelegentlich in Schuppen, Vogelnistkästen oder sogar auf Dachböden. Die typische Papierwabe entsteht durch Kauen von morschem Holz, das die Hornissen mit Speichel zu einer stabilen, erstaunlich leichten Struktur verarbeiten.

Im Verlauf eines Sommers wächst ein Hornissenvolk auf mehrere hundert Tiere heran. Dabei ist die Organisation im Nest streng hierarchisch. Die Arbeiterinnen kümmern sich um Nachwuchs, Nestbau und Verteidigung, während die Königin für die Eiablage zuständig bleibt.

Faszination Hornisse: Mehr als nur “große Wespe”

Ihr Image als „gefährlich“ hält sich hartnäckig, dabei sind die europäischen Hornissen erstaunlich tolerant. Wer Abstand zum Nest hält und hektische Bewegungen vermeidet, kann sie sogar aus nächster Nähe beobachten. Stiche kommen selten vor und sind – entgegen der gängigen Mythen – für gesunde Erwachsene zwar schmerzhaft, aber kaum gefährlicher als die von Honigbienen oder anderen Wespen. Nur wer allergisch reagiert, muss besonders vorsichtig sein.

Was viele unterschätzen: Hornissen sind echte Schädlingsbekämpfer! Sie erbeuten täglich große Mengen Fliegen, Mücken, Bremsen, Spinnen und auch kleinere Wespenarten. Besonders während der Brutaufzucht tragen sie so zum natürlichen Gleichgewicht im Garten bei. Selbst Imker profitieren, denn Hornissen interessieren sich kaum für Honigbienen – sie nehmen nur schwache, kranke Tiere oder räumen tote Bienen ab.

Hornissenschutz: Warum wir sie brauchen

Wie viele heimische Insekten sind auch Hornissen bedroht: Der Verlust alter Baumbestände, übertriebene Sauberkeit in Parks und Gärten, aber auch mutwillige Zerstörung von Nestern setzen ihnen zu. Dabei genießen sie den höchsten gesetzlichen Schutz (Bundesartenschutzverordnung). Wer ein Nest entfernt oder zerstört, begeht eine Ordnungswidrigkeit – und schadet einem wertvollen Mitbewohner.

Stattdessen lohnt sich ein Perspektivwechsel: Wer sich informiert und aufklären lässt, erkennt schnell, dass Zusammenleben mit Hornissen meist problemlos möglich ist. Mit etwas Abstand und Respekt klappt das auch an Gebäuden, solange Einfluglöcher nicht direkt ins Wohnhaus führen. Wespen und Hornissenberater helfen, falls Unsicherheiten bestehen.

Persönliche Beobachtungen und Erfahrungen

Wer einmal einen Sommer mit einem Hornissenvolk teilen durfte, erlebt Natur aus nächster Nähe: Der sanfte Wechsel von Tag- und Nachtschichten, das stete Kommen und Gehen am Einflugloch, die wachsame Gelassenheit der Tiere – all das sorgt für eine ganz eigene Atmosphäre im Garten. Es ist ein Geschenk, wenn sich diese faszinierenden Tiere ansiedeln. Aus Angst wird mit der Zeit Respekt, manchmal sogar echte Zuneigung.

Auch bei mir haben Hornissen schon mehrfach Nester gebaut – nie kam es zu Problemen. Im Gegenteil: Die Beobachtung der Tiere, ihre Effizienz bei der Jagd, die Fürsorge für die Brut und die Kooperation im Volk sind faszinierend. Wer sich traut, erlebt Naturschutz im besten Sinne.

Praxis-Tipps für den Umgang mit Hornissen am Haus

1. Ruhe bewahren – die Tiere sind selten aggressiv

Hornissen greifen Menschen eigentlich nie grundlos an. Hektische Bewegungen, das Zuschlagen nach den Tieren oder das Verschließen von Einfluglöchern sorgen allerdings für Stress im Nest. Wer gelassen bleibt und die Einflugbahn respektiert, kann Hornissen sogar auf wenige Meter gefahrlos beobachten.

2. Abstand und Wege beachten

Direkt vor dem Einflugloch sollte man sich nicht länger aufhalten – mindestens 2 bis 3 Meter Abstand sind ratsam, besonders bei Nestern in Brust- oder Kopfhöhe. Werden Kinder, Haustiere oder viel Publikumsverkehr erwartet, lässt sich der Bereich einfach absperren oder markieren. In 99% der Fälle genügt ein Flatterband oder ein Hinweisschild.

3. Fenster und Türen sichern

Nester in Wandverkleidungen, Dachböden oder Rollladenkästen führen manchmal dazu, dass einzelne Tiere im Haus auftauchen. Hier hilft es, Fenster mit Fliegengitter auszustatten und Öffnungen (außer dem Hornisseneinflug!) dicht zu halten. So bleibt der Konflikt minimal.

4. Lüften in Randzeiten

In heißen Sommerwochen kann es helfen, abends oder morgens zu lüften, wenn die Tiere weniger aktiv sind. So entgeht man dem Kontakt mit den „Flugschneisen“.

5. Nachtflug vermeiden

Hornissen fliegen manchmal auch bei Dämmerung oder künstlichem Licht. Wer spät abends das Fenster öffnet und das Licht brennen lässt, lockt sie an. Daher: Fenster abdunkeln oder das Licht auslassen, wenn Hornissen unterwegs sind.

6. Nester in der Nähe von Aufenthaltsbereichen? Ruhe bewahren!

Nester am Sitzplatz, Balkon oder Hauseingang klingen nach Problem – sind es aber meist nicht. Die Völker sind im Herbst (meist ab Oktober) von selbst verschwunden. Bis dahin hilft oft schon, Essensreste abzudecken, süße Getränke nicht offen stehen zu lassen und auf Duftkerzen oder Parfums zu verzichten.

7. Hornissen umsiedeln – fast nie notwendig

Nur in seltenen Fällen, zum Beispiel bei allergischen Personen im Haus oder wenn das Nest in unmittelbarer Wohnnähe ist, sollte über eine Umsiedlung nachgedacht werden. Dafür ist immer eine Fachperson oder der Hornissenberater zu kontaktieren. Selbermachen ist gesetzlich verboten und gefährlich – und oft gar nicht nötig, weil die Völker im Herbst absterben.

8. Verhalten bei Stichen

Sollte doch einmal ein Stich passieren: Ruhig bleiben, die Stelle kühlen und beobachten. Für gesunde Menschen ist ein Hornissenstich in der Regel ungefährlich. Bei Stichen im Mund-Rachen-Raum oder bei bekannter Allergie immer sofort ärztliche Hilfe holen.

9. Nach dem Sommer: Nest bleibt – Gefahr nicht

Das Nest wird jedes Jahr aufs Neue gebaut und im Herbst verlassen. Kein Volk besiedelt ein altes Nest erneut. Wer Angst hat, dass „es jedes Jahr schlimmer wird“, kann beruhigt sein.

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