Der Drohn – der unterschätzte Typ im Bienenvolk

Wenn Leute zum ersten Mal am Bienenstand stehen, fällt ihnen immer was auf: Da gibt’s Bienen, die irgendwie anders aussehen. Größer, breiter, irgendwie plumper – und ein bisschen gemütlicher als der Rest. Das sind die Drohnen, die männlichen Bienen. Und mal ehrlich: Wer sich zum ersten Mal mit ihnen beschäftigt, fragt sich sofort, warum ausgerechnet die Kerle im Bienenvolk so eine Sonderstellung haben.

Ich geb’s zu: Am Anfang, als ich mit der Imkerei angefangen habe, dachte ich auch, die Drohnen wären bloß unnütze Fresser. Schließlich wird ihnen ja immer nachgesagt, sie würden nix machen außer fressen und rumfliegen. Aber das Bild ist nicht ganz fair. Je länger ich mit Bienen arbeite, desto mehr merke ich: Ohne Drohnen gäbe es in der Imkerei – und überhaupt in der Natur – ziemlich schnell keine neuen Königinnen mehr. Und das wäre nicht nur schade, sondern richtig fatal.

Was ist eigentlich eine Drohn?

Die Drohn ist das männliche Mitglied im Bienenstaat. Keine Stachel, kein Sammeltrieb, kein Pollenhöschen. Dafür riesige Facettenaugen, ein massiver, rundlicher Körper und oft ziemlich behäbig im Flug. Drohnen sind auch deutlich lauter als die Arbeiterinnen. Wer’s noch nie gehört hat: Wenn im Mai oder Juni ein paar Drohnen am Flugloch starten, klingt das fast wie ein Mini-Helikopter.

Ihr einziger Lebenszweck? Naja, das klingt vielleicht etwas platt, aber im Grunde: Paarung. Drohnen sind die „Liebhaber“ im Bienenvolk. Sie schlüpfen ab dem späten Frühjahr, fliegen an warmen Tagen auf sogenannte Drohnensammelplätze und warten dort, bis eine junge Königin vorbeischaut. Wer Glück hat, erwischt eine, paart sich in der Luft – und stirbt kurz danach. Klingt nach Drama? Ist es irgendwie auch. Aber so ist das bei den Bienen: Effizienz geht vor Romantik.

Drohnen im Alltag – Beobachtungen vom Bienenstand

Was mir immer auffällt: Drohnen sind viel entspannter als Arbeiterinnen. Die lassen sich in Ruhe beobachten, sitzen oft träge auf der Wabe oder brummen etwas planlos im Stock herum. Kinder trauen sich meist als erstes, eine Drohne auf die Hand zu nehmen, weil sie wissen, dass die nicht stechen können. Ich hab schon oft gesehen, wie das Eis zwischen Mensch und Biene genau an diesem Punkt gebrochen ist. Plötzlich liegt da ein dicker Drohn auf einer kleinen Kinderhand und wird mit großen Augen bestaunt – das sind Momente, die auch mir als Erwachsener Spaß machen.

Apropos: Drohnen sind hervorragende „Botschafter“ für die Bienen. Gerade weil sie harmlos sind, nehmen auch skeptische Leute sie gern mal auf die Hand. Das sorgt oft für einen Aha-Effekt. „Die sind ja gar nicht gefährlich!“, höre ich dann. Richtig, sind sie nicht. Aber man muss auch ehrlich sein: Im Stock selbst tragen sie nur wenig zur Arbeit bei.

Die Wahrheit über das „faule“ Leben der Drohnen

Klar, Drohnen sammeln keinen Nektar, bauen keine Waben und pflegen keine Brut. Sie sind sozusagen „Versorgungsposten“ – die Arbeiterinnen füttern sie, putzen sie und kümmern sich um alles. Kein Wunder, dass Drohnen im Herbst, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, auch gnadenlos aus dem Volk geworfen werden. Der sogenannte „Drohnenschlacht“ ist für viele Beobachter ein bisschen schockierend, aber für das Überleben des Volkes notwendig. Ressourcen sind knapp, und der Winter steht vor der Tür.

Ich muss zugeben, mir tut das manchmal leid – aber in der Natur gibt’s eben keine Kuschelpädagogik. Die Drohnen leben im Sommer ein recht sorgloses Leben, dafür ist im Herbst dann abrupt Schluss.

Drohnenflugplätze – das geheime Treffen in der Luft

Ein echtes Highlight ist, wenn man einen Drohnensammelplatz findet. Das sind quasi die Tinder-Treffpunkte der Bienenwelt: Dutzende bis Hunderte Drohnen schwirren an bestimmten Stellen in der Landschaft, oft jahrelang an exakt dem gleichen Ort. Wie die das finden? Niemand weiß es so genau, aber offenbar gibt es geographische Merkmale, die diese Plätze besonders attraktiv machen. Wenn eine unbegattete Königin einfliegt, stürzen sich alle auf sie – eine wilde Jagd beginnt, die für die meisten Drohnen erfolglos endet. Wer sich durchsetzt, sorgt immerhin für die nächste Generation. Und das war’s dann auch schon – nach der Paarung stirbt die Drohn, ihr Erbgut lebt in der Königin und ihrer Brut weiter.

Warum Drohnen wichtig sind – auch für die Imkerei

Viele Hobbyimker schneiden Drohnenbrut aus, um die Varroa-Milbe zu bekämpfen. Das hat seine Berechtigung, trotzdem sollte man Drohnen nicht einfach als lästige Mitesser sehen. Ein gesunder Drohnenanteil ist wichtig für die genetische Vielfalt. Wenig Drohnen, wenig Auswahl für die Königin – das macht Völker auf Dauer anfälliger und schwächer.

Und ja, die Drohnenquote schwankt je nach Jahreszeit und Zustand des Volkes. Im starken Frühsommer sind’s oft einige Hundert, manchmal sogar mehr. Im Spätsommer oder wenn das Volk schwächelt, sieht man dagegen kaum noch welche.

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