Die meisten Menschen begegnen der Deutschen Wespe (Vespula germanica) am Kaffeetisch oder beim Grillen im Garten. Für viele ist sie einfach nur lästig -die ungebetene Mitesserin, die sich auf Kuchen, Marmelade oder Limonade stürzt. Doch wer einmal genauer hinschaut, merkt schnell, dass in diesem kleinen Insekt weit mehr steckt als bloß ein nerviger Störenfried.
Typische Merkmale – und was sie von anderen Wespen unterscheidet
Die Deutsche Wespe ist eine der bekanntesten Wespenarten in Mitteleuropa. Mit etwa 12 bis 16 Millimetern Körperlänge wirkt sie auf den ersten Blick wie ihre nahen Verwandten, zum Beispiel die Gemeine Wespe. Entscheidend ist jedoch die feine Zeichnung auf dem Kopfschild.
Drei schwarze Punkte, oft als „Deutschlandtrikot“ bezeichnet, sind charakteristisch für Vespula germanica. Ihre Fühler sind meist komplett schwarz, die Beine leuchtend gelb, der Hinterleib trägt die typischen gelben Querstreifen, manchmal unterbrochen von kleinen Punkten.
Lebensweise – erstaunlich organisiert und arbeitsteilig
Die Deutsche Wespe ist ein echtes Organisationstalent. Das Nest besteht aus einer papierartigen Masse, die die Tiere aus zerkauten Holzfasern herstellen. Ein größeres Volk kann zwischen 3000 und 4000 Arbeiterinnen bestehen. Es gibt eine klare Aufgabenverteilung: Die Königin sorgt für Nachwuchs, während die Arbeiterinnen Futter suchen, das Nest ausbauen, die Brut pflegen oder für die Verteidigung zuständig sind.
Wer als Gärtner unterwegs ist, weiß Gerade im Frühling und Frühsommer sind Wespen ausgesprochen nützlich. Sie jagen Raupen, Fliegen und andere Insekten, nicht selten retten sie damit ganze Rosenstöcke oder Obstbäume vor Schädlingsbefall. Erst ab Juli, wenn die Brutpflege langsam zurückgeht und der Zuckerbedarf steigt, werden sie zu den ungeliebten Tischgästen auf der Terrasse.
Begegnungen – zwischen Faszination und Frust
Aus meiner Erfahrung lohnt es sich, die Tiere genauer zu beobachten, statt sie gleich zu vertreiben oder in Panik zu geraten. Bleibt man ruhig, ignorieren sie einen meist völlig. Wer dagegen wild fuchtelt, riskiert Stiche. Übrigens: Die Deutsche Wespe ist – entgegen vieler Mythen – nicht aggressiver als andere Arten. Sie verteidigt ihr Nest, aber sucht nicht gezielt den Konflikt mit Menschen.
Gerade im Spätsommer sieht man manchmal erschöpfte Wespen am Boden – nicht tot, sondern oft dehydriert. Ein Tropfen Wasser kann Wunder wirken. Ich habe mehr als einmal erlebt, wie eine scheinbar „verendete“ Wespe nach einem winzigen Schluck wieder lebendig wurde und davonflog.
Naturschutz – warum sie wichtiger ist, als viele denken
Wespen sind ein unverzichtbarer Teil des Ökosystems. Sie halten die Insektenpopulationen in Schach, sind aber selbst Nahrung für Vögel, Dachse und andere Tiere. Wer ein Wespennest am Haus entdeckt, sollte zuerst prüfen, ob man damit leben kann – sie verschwinden spätestens im Herbst von allein. Entfernen sollte man ein Nest nur in begründeten Ausnahmefällen und möglichst von einem Fachmann. Jedes überlebende Wespenvolk ist ein Gewinn für die Natur – auch wenn das im August manchmal schwer zu glauben ist.
Fazit
Die Deutsche Wespe ist viel mehr als nur eine „nervige Plage“. Wer sich die Mühe macht, sie zu beobachten, entdeckt erstaunliche Fähigkeiten, komplexe Strukturen und eine wichtige Rolle im Gleichgewicht der Natur. Mit etwas Toleranz kann das friedliche Nebeneinander funktionieren – und die nächste Begegnung vielleicht sogar für einen Moment der Faszination sorgen.
Praxistipps im Umgang mit der Deutschen Wespe
Im Spätsommer auf Barfußlaufen verzichten:
Vor allem auf Wiesen mit Fallobst – hier sitzen Wespen oft am Boden.
Ruhe bewahren und hektische Bewegungen vermeiden:
Wespen reagieren auf schnelle Bewegungen und aufgeregtes Fuchteln oft mit Abwehrverhalten. Bleib gelassen – meist interessiert sie nur dein Essen, nicht dich.
Süße Speisen und Getränke abdecken:
Vor allem im Hochsommer zieht Zucker Wespen magisch an. Gläser mit Deckeln, Tassen mit Untertassen abdecken – so landet die Wespe nicht im Getränk.
Alternativen anbieten:
Eine kleine Schale mit reifen Weintrauben oder Marmelade abseits des Esstischs kann helfen, Wespen gezielt „umzuleiten“. Aber: Funktioniert nicht immer und kann auch weitere Insekten anlocken.
Keine Parfüms und duftenden Cremes verwenden:
Starke Gerüche ziehen Wespen an. Am besten vor Gartenfesten oder Picknicks auf duftende Lotionen und Parfüms verzichten.
Mülltonnen und Kompost abdecken:
Wespen lieben gärende Küchenabfälle. Kompost und Mülltonnen immer gut schließen.
Nestern aus dem Weg gehen:
Wer ein Nest im Garten entdeckt, sollte einen Mindestabstand von zwei bis drei Metern einhalten und Erschütterungen vermeiden. Das betrifft auch Rasenmähen oder laute Gartenarbeiten.
Keine chemischen Sprays verwenden:
Abgesehen davon, dass es verboten ist, Wespen ohne triftigen Grund zu töten, bringen Sprays wenig. Tote Wespen senden sogar Alarmpheromone aus – dann kommen erst recht noch mehr.
Kinder sensibilisieren:
Erkläre Kindern, wie sie sich verhalten sollen (keine hektischen Bewegungen, nicht nach Wespen schlagen, Essen abdecken), anstatt sie in Panik zu versetzen.
Quellen:
- Eigene Beobachtungen und Erfahrungen
- NABU: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/steckbriefe/06456.html
- BUND: https://www.bund.net/umwelt-tipps/tiere-pflanzen/insekten/wespen/
- Kosmeier, R.: Wespen und Hornissen. Naturbuch Verlag, 2021
