Bienenwachs: Gold aus dem Bienenstock

Manchmal fragen mich Leute, ob Imkern nicht einfach nur Honig schleudern und ein bisschen Bienen streicheln ist. Das ist ungefähr so, als würde man sagen, Brotbacken ist einfach nur Mehl umrühren. Wer wirklich mit Bienen zu tun hat, weiß: Das Wachs ist ein eigenes Universum. Und ehrlich – es gibt nichts Vergleichbares. Bienenwachs ist für mich das heimliche Gold im Bienenstock.

Die Entstehung – wie Bienenwachs wirklich „gemacht“ wird

Viele stellen sich vor, dass Bienen das Wachs irgendwo aufsammeln oder es zufällig im Stock auftaucht. Tatsächlich produzieren die Bienen es selbst, und zwar mit viel Aufwand. Die Arbeiterinnen schwitzen es regelrecht aus – an winzigen Drüsen am Hinterleib. Das klingt schon ein bisschen verrückt: Ein Insekt, das Bausteine aus sich selbst herauspresst! Das Wachs kommt als kleine, glitzernde Plättchen raus, fast durchsichtig. Die Bienen kauen es weich, modellieren es und bauen damit ihre perfekten Waben.

Übrigens: Wenn ich beim ersten Öffnen eines frischen Bienenstocks diese weißen Wachsplättchen sehe, weiß ich, dass die Mädels (bei Bienen sind’s ja fast immer die Damen, die arbeiten) gerade ordentlich zu tun haben. Es riecht dann ein bisschen wie frische Honigmelone, süßlich, leicht – ganz anders als das schwere Aroma von altem Bienenwachs.

Warum Bienenwachs so besonders ist

Wachs ist kein „Abfallprodukt“. Es ist die Grundlage für alles, was im Stock läuft: Die Waben sind Kinderzimmer, Vorratskammer, Liebesnest, manchmal auch Lazarett und, wenn’s schlecht läuft, auch Massengrab (dann, wenn Krankheit zuschlägt oder der Winter zu hart war).

Was viele nicht wissen: Frisch gebautes Wachs ist strahlend weiß. Erst mit der Zeit färbt es sich durch Pollen, Propolis, Kokons und so ziemlich alles, was ein Bienenvolk so ausscheidet und lagert. Das erklärt auch, warum altes Wachs meist dunkler und aromatischer riecht.

Ich habe die Erfahrung gemacht: Je älter das Wachs, desto schwerer ist es zu reinigen. Wer alte, schwarze Waben auskocht, bekommt eine Duftwolke ins Gesicht, die irgendwo zwischen Kräuterlikör, Schafstall und Honig liegt. Wer das mag, ist beim Imkern richtig – der Geruch setzt sich gern mal in den Klamotten fest.

Wachsverarbeitung in der Praxis – ein kleiner Alltagsbericht

Wachs zu gewinnen ist Handarbeit. Klar, große Imkereien haben heute automatische Wachsschmelzer, aber ich bin oft noch mit dem Sonnenwachsschmelzer unterwegs – einem simplen Kasten mit Glasscheibe, in dem die Sonne die Arbeit macht. Manchmal dauert es ewig, besonders bei typisch deutschem „Sommer“ (Regen, 17 Grad). Da sitze ich dann, schaue auf die träge schmelzenden Waben und denke: So, und das soll jetzt der Rohstoff für Kerzen, Salben oder Mittelwände sein?

Mein persönliches Highlight ist jedes Jahr das Kerzengießen. Bienenwachskerzen riechen nach allem, was den Sommer ausmacht: ein bisschen Honig, ein bisschen Wiese, ein Hauch Abenteuer. Für mich gibt’s keine bessere Weihnachtskerze – alles andere riecht künstlich und irgendwie langweilig. Wer einmal Bienenwachskerzen angezündet hat, will keine Paraffinkerze mehr. Ehrlich.

Natürlich läuft nicht immer alles glatt. Ich erinnere mich an meinen ersten Versuch, Mittelwände selbst zu gießen. Das Ergebnis: Wachs überall, aber keine einzige brauchbare Platte. Die Bienen fanden’s trotzdem toll – sie bauen auch auf schiefen Wänden, solange das Wachs stimmt. Inzwischen klappt’s besser, aber Wachsarbeiten bleiben eine Mischung aus Sorgfalt, Geduld und der Bereitschaft, auch mal zu scheitern.

Was macht Bienenwachs so wertvoll?

Wenn ich Leuten erzähle, wieviel Bienen für ein Kilo Wachs leisten, gucken viele erst mal ungläubig. Man sagt, für ein Kilo Wachs verbrauchen die Bienen rund 5 bis 8 Kilo Honig. Kein Wunder, dass Wachs so kostbar ist! Deswegen sollte es auch nicht verschwendet werden – ich sammle jedes Fitzelchen, selbst das, was beim Entdeckeln der Honigwaben anfällt.

Bienenwachs ist ein Allrounder. Ich nutze es für Kerzen, Lippenbalsam, Holzpflege und sogar als Imprägnierung für Satteltaschen. Mein Tipp: Wer alte Holzbretter mit etwas Bienenwachs einreibt, hat lange Freude daran – das Holz bleibt geschützt und riecht sogar ein bisschen nach Bienenstock.

Abschweifung – Wachs, Ethik und Nachhaltigkeit

Was mir wichtig ist: Wachs ist kein billiger Rohstoff. Billigwachs vom Großhändler kommt oft von irgendwoher, manchmal mit Rückständen aus Pestiziden, manchmal gestreckt mit Paraffin. Ich finde, wer mit Bienen lebt, sollte auch ehrlich mit dem Material umgehen – lieber weniger, dafür echtes Bienenwachs, das wirklich von glücklichen Völkern stammt. Und: Im Kreislauf der Imkerei hat alles seinen Platz – nichts wird verschwendet.

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